Das Geschäftsmodell vor der Übergabe überprüfen
Geschäftsführungen, Nachfolgende, Führungsteams und Aufsichtsgremien
Vertiefung zur Geschäftsmodellentwicklung
Nachfolge ist ein guter Zeitpunkt für einen Geschäftsmodellcheck
Eine Nachfolge soll Kontinuität sichern. Gleichzeitig übernimmt die neue Führung eine Organisation, deren Angebote, Finanzierung und Zielgruppen sich weiterentwickeln müssen. Wenn das Geschäftsmodell nur aus Gewohnheit fortgeführt wird, übernimmt die Nachfolgeperson möglicherweise Probleme, die bereits vor dem Wechsel bestanden.
Der Social Business Model Canvas bietet einen gemeinsamen Arbeitsrahmen. Er verbindet die wirtschaftliche Logik eines Geschäftsmodells mit der angestrebten gesellschaftlichen Wirkung. Dadurch eignet er sich besonders für Gespräche zwischen abgebender und übernehmender Führung.
Was der Canvas sichtbar macht
Ein Social Business Model Canvas kann je nach Variante unterschiedlich aufgebaut sein. Für die Nachfolge sollten mindestens folgende Bereiche betrachtet werden:
- gesellschaftliche Herausforderung und angestrebte Wirkung
- Zielgruppen und begünstigte Personen
- Produkte Dienstleistungen und soziale Innovation
- Zugangs Kommunikations- und Vertriebswege
- Schlüsselaktivitäten und Prozesse
- notwendige Ressourcen
- Partner und Netzwerke
- Einnahmequellen
- Kostenstruktur
- messbare Leistungen und Veränderungen
- mögliche negative oder unbeabsichtigte Wirkungen
Das Ziel ist kein schönes Poster. Der Canvas soll Zusammenhänge und Widersprüche sichtbar machen, die in einzelnen Fachplänen leicht übersehen werden.
Wirkung und Kundennutzen getrennt betrachten
Bei Sozialunternehmen sind zahlende Kunden und begünstigte Zielgruppen nicht immer identisch. Eine Kommune finanziert möglicherweise eine Leistung, die Jugendlichen zugutekommt. Eine Stiftung fördert ein Angebot, das von sozialen Einrichtungen genutzt wird.
Der Canvas sollte deshalb klar unterscheiden, wer bezahlt, wer entscheidet, wer die Leistung nutzt und bei wem die gesellschaftliche Veränderung entstehen soll. Diese Trennung ist für die Nachfolge wichtig, weil jede Gruppe andere Erwartungen an Qualität, Preis und Kommunikation hat.
Einnahmen und Wirkung verbinden
Im nächsten Schritt wird geprüft, welche Einnahmequellen welche Leistungen ermöglichen. Dabei helfen konkrete Fragen:
- Welche Angebote tragen sich selbst?
- Welche Leistungen sind dauerhaft auf Förderung oder Spenden angewiesen?
- Welche Einnahmequelle ist von einer einzelnen Beziehung abhängig?
- Welche Zweckbindungen begrenzen den Einsatz der Mittel?
- Welche wirkungsrelevanten Leistungen erscheinen in der Finanzplanung bislang nicht vollständig?
Die Antworten zeigen, ob Wirkung und Finanzierung miteinander verbunden sind oder nebeneinander herlaufen. Sie machen auch sichtbar, welche Entscheidungen die neue Führung kurzfristig treffen muss.
Schlüsselressourcen und verdeckte Abhängigkeiten
Ein Geschäftsmodell kann auf Ressourcen beruhen, die in keiner Bilanz vollständig erkennbar sind. Dazu gehören ehrenamtliches Engagement, informelle Netzwerke, Reputation, persönliches Wissen der Gründerin oder unentgeltlich bereitgestellte Räume.
Im Nachfolgeprozess muss geprüft werden, ob diese Ressourcen weiter verfügbar sind. Wenn nicht, braucht die Organisation Ersatz, Finanzierung oder eine Anpassung des Leistungsmodells. Der Canvas hilft, solche Abhängigkeiten frühzeitig in den Zusammenhang mit Kosten und Wirkung zu stellen.
Ein gemeinsamer Workshop in fünf Schritten
Ausgangsbild erstellen
Die bisherige Führung und ausgewählte Mitarbeitende beschreiben das heutige Geschäftsmodell. Beobachtbare Fakten werden von Annahmen getrennt. Unklare Punkte werden markiert, nicht vorschnell gelöst.
Perspektive der Nachfolgenden ergänzen
Die potenzielle oder bereits ausgewählte Nachfolgeperson stellt Verständnisfragen und ergänzt Risiken oder Chancen. Sie sollte das Modell nicht sofort neu entwerfen. Zunächst geht es darum, die bestehende Logik zu verstehen.
Kritische Annahmen bestimmen
Das Team markiert Annahmen, von denen wirtschaftliche Stabilität oder Wirkung besonders stark abhängen. Beispiele sind eine Förderverlängerung, die Verfügbarkeit von Fachkräften oder die Zahlungsbereitschaft eines Kostenträgers.
Zukunftsvarianten entwickeln
Für zwei oder drei realistische Entwicklungen wird geprüft, was sich im Canvas verändert. Wie reagiert die Organisation auf das Ende einer Förderung, steigende Personalkosten oder eine neue digitale Leistung?
Entscheidungen und Prüfaufträge festhalten
Am Ende werden offene Datenbedarfe, Entscheidungen, Verantwortliche und Termine dokumentiert. Der Canvas wird damit zur Grundlage eines Arbeitsplans.
Der Canvas unterstützt die Übergabe
Die gemeinsame Arbeit erfüllt mehrere Funktionen. Sie überträgt Wissen, zeigt unterschiedliche Sichtweisen und macht die strategische Denkweise der Beteiligten sichtbar. Konflikte über einzelne Angebote lassen sich in den größeren Zusammenhang von Wirkung, Ressourcen und Finanzierung einordnen.
Der Canvas ersetzt keine Finanzplanung, Wirkungsanalyse oder Marktprüfung. Er zeigt, wo diese Vertiefungen nötig sind und wie ihre Ergebnisse zusammenhängen.
Nach der Übergabe weiterarbeiten
Das Geschäftsmodell sollte nach sechs bis zwölf Monaten erneut betrachtet werden. Die neue Führung verfügt dann über eigene Erfahrungen und kann frühere Annahmen überprüfen. Veränderungen lassen sich nachvollziehbar dokumentieren, statt nur als persönlicher Kurswechsel wahrgenommen zu werden.
So wird der Social Business Model Canvas zu einem gemeinsamen Arbeitsinstrument für Kontinuität und Weiterentwicklung.
Fachliche Grundlagen und weiterführende Quellen
Geschäftsmodell gemeinsam überprüfen
Wir ordnen Ihre konkrete Ausgangslage gemeinsam ein und klären, welche nächsten Schritte für Ihre Organisation tragfähig sind.
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